Häufig gestellte Fragen zu den Themen
 

Inhalt

Allgemeine Fragen zur Kampfkunst

Wann entstanden die ersten Kampfkünste?

Seit wann gibt es Kampfkunst in Deutschland?

Was ist Kampfkunst, was ist Kampfsport?

Wozu braucht man die verschiedenen Stellungen in den Kampfkünsten?

Was macht Ihr im Training?

Was ist eine "Form" oder "Kuen"?

Was bedeutet "Formtraining"? Was übt man da?

Warum wird mit Waffen trainiert?

Warum gibt es Prüfungen?

Wozu dient ein Graduierungssystem?

Woher kommt diese festgelegte Reihenfolge der Gürtelfarben?

Was ist ein Schwarzgurt?

Braucht man unbedingt gute Kondition um weiterzukommen?

Wann und wie wird man Si-fu (Shi-fu) bzw. Si-gung?

Was heißt "Si-fu"?

Verändert sich die persönliche Kampfkunst mit zunehmendem Alter?

In welchem Alter ist das Trainieren sinnvoll?

Wozu dient der Kampfschrei?

Woher kommt der Kiai?

Wo im Körper entsteht der Kiai?

Begünstigt die Beschäftigung mit Kampfsport aggressives Verhalten?

Was darf man vom Gesetz her auf der Straße anwenden?

Warum gibt es Regeln bei solchen Wettkämpfen? Wird dadurch nicht der freie, lebendige Kampf behindert?

Was passiert mit Schülern, die offensichtlich aus gewalttätigen Absichten am Training teilnehmen?

Was bedeutet es, wenn man davon spricht, die Prinzipien der Kampfkunst auf das tägliche Leben zu übertragen?

Wie verhindert man beim Training mit Kindern, diese auf einen falschen Weg zu bringen?

Fördert der Kampfsport die Gemeinschaft?

Wie wichtig ist theoretisches Wissen um die Kampfkunst?

Welchen Vorteil hat die Beschäftigung mit Medizin und Anatomie des Menschen für einen Kampfsportler?

Was versteht man unter doppeltem Brennpunkt?

Wozu dient das Sandsacktraining?

Wozu dienen Bruchtests?

Was ist der Unterschied zwischen Säbel und Schwert?

Wozu dienen Spiegel im Trainingsraum? Fördern sie nicht die Eitelkeit?

Fragen zum Kung Fu

Was ist Kung Fu?

Woher kommt Kung Fu?

Was bedeutet "äußerliches" Kung Fu?

Was bedeutet "innerliches" Kung Fu?

Worin liegt der unterschied zwischen Kung Fu und z.B. Karate oder Kickboxen?

Was hat es mit den Tieren auf sich, von denen man in einigen Kung Fu -Stilen spricht?

Kung Fu ist u.a. aus Tierbeobachtungen entstanden. Woher aber kommt der Drachenstil?

Wird in einer Kung Fu- Schule auch Buddhismus gelehrt?

Woher kommt die Grußhaltung der Hände im Kung Fu? Was bedeutet sie?

Fragen zum Wun Hop Kuen Do - Kung Fu

Was bedeuten die chinesischen Schriftzeichen des Wun Hop Kuen Do im einzelnen?

Warum wird im WHKD der Kwoon in der selben Art wie der Lehrer begrüßt?

Ist WHKD ein Selbstverteidigungsstil?

Wie werden die Selbstverteidigungstechniken im Kampf umgesetzt?

Gibt es noch andere Trainingsbereiche außer Selbstverteidigung?

Was unterscheidet WHKD von anderen Kampfstilen?

Gibt es noch mehr Fragen?

Quellenverzeichnis / Impressum
 
 

Allgemeine Fragen zur Kampfkunst






Wann entstanden die ersten Kampfkünste?oben

Die erste Erwähnung einer chinesischen Kampfmethode (Quan-fa) stammt aus dem Jahr 2600 v. Chr. Ein überlieferter Bericht besagt, das der Gelbe Kaiser (Huangdi) eine siegreiche Schlacht dem Jue-di zuschreibt. Dies bedeutet übersetzt soviel wie "Hörnerstoßen" und war eine Art Ritual, in dem Kampfbewegungen simuliert und Tiermasken getragen wurden. Diesen Brauch gibt es in manchen Regionen Chinas heute noch.

In der Epoche der Chou (1122-256 v. Chr.) war der Brauch vom waffenlosen Zweikampf, dem Xiangpu, bekannt, daher kann man annehmen, daß es zu dieser Zeit bereits eine stilisierte Form des Kämpfens gab.
 
 
 
 
 
 

Seit wann gibt es Kampfkunst in Deutschland?oben

Wer sich über die Entstehung und Entwicklung Deutschlands oder der nordeuropäischen Länder und Völker informiert, der stößt früher oder später auf den Begriff "Germanen". Jeder hat diesen Begriff schon einmal gehört und weiß in etwa, daß es sich dabei um eine Sammelbezeichnung für verschiedene Stämme handelt, die damals (im 1. Jhd. v. Chr.) in Nord- und Mitteleuropa lebten. Was aber nicht so bekannt ist, ist die Entstehung des Begriffes "Germanen". Es hieß ursprünglich "Ger-mannen", denn diese Völker benutzten eine speerartige Waffe, den "Ger". Der Begriff könnte also übersetzt soviel wie "Speer-Männer"(oder Speer-Menschen) bedeuten. Außerdem wurde um 100 n.Chr. die Geschicklichkeit der Germanen im Umgang mit dem Kurzschwert "Sax" (Sachsen!) beschrieben.

Im Mittelalter gehörten festliche Ritterturniere zu den höfischen Sitten, um 1386 fanden bereits Wettkämpfe im "Stechen und Fechten" statt. Zu den ritterlichen Tugenden zählten (ähnlich wie bei den Samurai) Fechten, Bogenschießen und Ringen sowie Waffentechniken zu Pferde.
 
 
 
 
 
 

Was ist Kampfkunst, was ist Kampfsport?oben

Viele alte Kriegskünste wurden im Laufe der Jahrhunderte durch wirksamere Systeme oder neue Waffen abgelöst, kamen so aus der Mode und gerieten nach und nach in Vergessenheit. Da man aber erkannte, daß den alten Kriegskünsten nützliche, erzieherische Werte innewohnten, die erhalten bleiben sollten, suchte man schon früh nach Methoden, die Kampftechniken sozusagen für friedliche Zwecke nutzbar zu machen. So erfand man diverse Schutzvorrichtungen, um möglichst gefahrlos üben zu können und dabei aber die Wirksamkeit der alten Kriegskünste zu erhalten. Daraus kann man folgern, daß Kampf"sport" aus der Kampf"kunst" entwickelt wurde und interessant und wertvoll bleibt, wenn es gelingt, die alten Kunstfertigkeiten, ihre geistigen Werte und ihre ursprüngliche, kriegerische Effektivität zu wahren und sie gleichzeitig so zu entschärfen, daß - unter Beachtung von Regeln und Sicherheitsmaßnahmen - ein ungefährliches Training bzw. ein Wettkampf mit kalkulierbarem Risiko möglich ist.
 
 
 
 
 
 

Wozu braucht man diese verschiedenen Stellungen (Stände) in den Kampfkünsten?
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Um in den verschiedenen Schritt- und Bewegungsabläufe nicht die eigene Körperkontrolle zu verlieren.
 
 
 
 
 
 

Was macht ihr im Training?oben

Meistens wird beim Trainingsbeginn die Aufwärmung des Körpers mit Konditionsübungen verbunden, d.h. beispielsweise Training bestimmter Muskelgruppen, Ausdauertraining, Übungen zur Koordinationsverbesserung, Anspannungs- und Endspannungsübungen, Partner- und Reaktionsübungen u. s. w.

Zunächst gibt es ein technisches Training, bei dem der Schüler die Basis seiner Kampfkunst erlernt, d.h. Einzeltechniken wie Schläge, Tritte, Blocks, Stände und im weiteren erste Kombinationsmöglichkeiten und Kontertechniken gegen Angriffe verschiedenster Art, ob mit oder ohne Waffe, geschlagen, getreten oder gegriffen etc. Darauf aufbauend gibt es ein Training, wie man lernt, diese Einzeltechniken oder auch Kombinationen am Partner anzuwenden oder seine Technik an Airbags oder Pratzen (das sind Schutzpolster für den Partner) auszuprobieren.

Dann gibt es ein Formtraining, bei dem die Einzeltechniken zu einer festgelegten Folge zusammengesetzt wurden, so daß eine Art Kampf gegen imaginäre Gegner entsteht. Dieses Training schult das Gleichgewicht, die Konzentration, den Ausdruck, den Fluß in der Bewegung und auch die Kondition und Koordination. Darauf aufbauend wird auch teilweise mit traditionellen, chinesischen Waffen trainiert, für die ein hohes Maß an Körperbeherrschung, Disziplin und gutes Timing notwendig sind.

Im Straßenkampf - und Selbstverteidigungstraining werden Verteidigungsmöglichkeiten für alle erdenklichen Angriffe und Notwehrsituationen geübt, ob in Einzelsituationen oder in Mehrfachangriffen, ob in ruhigem oder stressig lautem Umfeld, ob mit viel Platz oder auf engstem Raum. Auch gibt es darauf basierend Training mit speziellen Inhalten wie z.B. Fallschule ("wie fällt man, ohne sich zu verletzen"), Würge- und Hebeltechniken, Bodenkampf, Nutzung und Verteidigung von Alltagswaffen etc.

Letztendlich gibt es auch noch das Wettkampftraining, das die sportliche Auseinandersetzung im Zweikampf beinhaltet. Hierbei werden Schutzpolster (Hand-, Fuß-, Schienbein- und Zahn- oder auch Kopfschutz)getragen, die das Verletzungsrisiko senken sollen, getragen. Zudem gibt es gewisse Regeln, die aus der Kampfkunst einen Kampfsport machen.
 
 
 
 
 
 

Was ist eine "Form" (Kuen/Kata)?oben

Die Begriffe stehen in den Kampfkünsten für eine genau festgelegte Serie von Techniken, in denen die Methoden und Kampfstrategien eines Stils gegen einen Angreifer verschlüsselt sind. Sie setzen sich aus Bewegungen zusammen, die zur Abwehr gegnerischer Angriffe und zum Konter verwendet werden. Man kann also sagen: eine Form ist ein festgelegter, stilisierter Kampf gegen imaginäre Gegner. Mit einer Form repräsentiert der Übende seinen Stil; an Formen (Kuens/Katas)kann der Beobachter deutlich die Unterschiede verschiedener Kampfkünste sehen.
 
 
 
 
 
 

Was bedeutet Formtraining? Wozu braucht man das?oben

Das Formtraining schult das Gleichgewicht, die Konzentration, den Ausdruck, den Fluß in der Bewegung und auch die Kondition und Koordination. Ein gutes Timing und Körperbeherrschung braucht man später auch für das Training mit Waffen, das z.B. beim Kung Fu traditionell dazugehört. Außerdem hilft es dem Schüler, komplexe Bewegungsfolgen zu entschlüsseln und zu verstehen, denn so, wie man aus einzelnen Bewegungen und Kombinationen eine Form aufbaut, kann man auch umgekehrt eine Form in ihre Einzelteile zerlegen und die neuen, unbekannten Techniken in sein Bewegungsrepertoire aufnehmen, um sie evtl. in anderen Trainingsbereichen, wie z.B. Im Selbstverteidigungs - Training zu gebrauchen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Warum wird mit Waffen trainiert?oben

Um überhaupt irgendwann mit Waffen arbeiten zu dürfen, muß ein Schüler zuerst seine persönliche, körperliche Ausdrucksweise kennenlernen und wissen, wie er mit seinen "persönlichen Waffen" (Fäuste, Füße etc.) umgehen kann. Es ist allerdings wichtig, mit einer Waffe die verschiedenen individuellen Möglichkeiten wie Kraft, Schnelligkeit, Rhythmus, Kontrolle, das Gefühl der Distanz und die Graziösität, also das Aussehen, kennenzulernen. Jede Waffe hat einen ganz eigenen Charakter und schult den Übenden auf ihre eigene Weise. Neben Basisübungen werden im Waffentraining auch Formen und Partnerübungen unterrichtet. In den Formen lernt man, einzelne Bewegungen geschickt miteinander zu verbinden und in den Partnerübungen lernt man zusätzlich die Anwendung und die Kontrolle, um den Partner nicht zu verletzen.

Natürlich wird heute keiner mit einem langen Stock oder gar einem Säbel auf die Straße gehen, um sich im Notfall damit verteidigen zu können; das ist auch nicht Sinn der Sache. Sollte es einmal dazu kommen, so lassen sich viele Gegenstände des Alltags hervorragend zweckentfremden, so daß sich z.B. ein Regenschirm oder ein einfacher Ast zur gekonnt eingesetzten Waffe verwandeln läßt(anstelle eines Säbels etc.), oder ein Billardqueue wird zum Stock oder Speer. Der größte Nutzen liegt aber, wie gesagt, im Trainingseffekt.
 
 
 
 
 
 

Wozu gibt es Prüfungen in den Kampfkünsten?oben

Wahrscheinlich reagiert jeder mit Unbehagen, wenn eine Prüfung anliegt. Sie bedeutet Streß, Aufregung und bei einigen sogar regelrechte Angstzustände. Dennoch sind Prüfungen sowohl für den Prüfling als auch für den Prüfer eine sinnvolle und notwendige Maßnahme auf dem Weg einer Ausbildung, ob in einer Berufsausbildung, in der Schule oder eben im Kampfsport.

Die Schüler werden durch die Prüfungen dazu gebracht, sich das gesamte, für die Prüfung verlangte Material intensiver einzuprägen als sonst und werden so daran erinnert, daß die Kampfkunst noch mehr beinhaltet als nur den bevorzugten Trainingsbereich.

Sie erkennen Ihre persönlichen Grenzen, können diese mit der nächsten Prüfung überschreiten und sich körperlich wie geistig neue Grenzen suchen.
 
 
 
 
 
 

Woher kommt diese festgelegte Reihenfolge der Gürtelfarben?oben

Der Geschichte nach wurden alle neuen Novizen, die einem Tempel beitraten, in eine Klasse gesteckt, so daß sie in ihrem Lernfortschritt gemeinsam vorankamen und keine Graduierung nötig war. Deshalb trugen die Schüler ihre hellen Baumwollschärpen, die zur Mönchskleidung gehörten, nur, um ihre Hosen zu fixieren. Im Laufe der Jahre harten Trainings füllte sie sich mit Schweiß, Blut und Staub, so daß sie nach und nach immer dunkler wurde und schließlich geradezu schwarz war. So entstand ursprünglich das Graduierungssystem der dunkler werden Schärpen bzw. Gürtel und die Tradition, diese niemals zu waschen.
 
 
 
 
 
 

Wozu dient ein Graduierungssystem?oben

Da in den chinesischen Kung Fu- Stilen das Wissen um eine Kampfkunst als geheim galt, wurde dieses immer nur im engsten Kreis weitergegeben, in den Familien vom Vater zum Sohn. Es war keine Graduierung nötig. Doch durch die Verbreitung der Kampfkünste im Westen entwickelte sich langsam die Notwendigkeit einer Form der Graduierung. Da in vielen Schulen die Schülerzahl so sehr wuchs, daß ein genaues Beobachten eines einzelnen Schülers immer schwieriger wurde, entwickelte man eben dieses System der dunkler werdenden Schärpen. So konnte ein Lehrer seine Schüler besser aufteilen und den ihnen entsprechenden Unterrichtsstoff gezielter an den Mann bzw. die Frau bringen, ohne die Anfänger zu überfordern und die fortgeschrittenen Schüler zu vernachlässigen. Der Hauptzweck ist also, die Techniken und Formen in zusammenhängende Unterrichtsblöcke einzuteilen.

Ein anderer Zweck ist außerdem die sichtbare Unterscheidung von Schülern und Meistern. Nicht in allen Stilen hat sich das Graduierungssystem mit Schärpen durchgesetzt. Da gibt es dann z.B. einen Unterschied in der Kleidung, so daß z.B. in den südchinesischen Stilen das Tragen von schwarzen Wickelhosen üblich ist, wozu es dann noch weiße T-Shirts für die Schüler und schwarze Jacken oder auch Schärpen gibt.
 
 

Was ist ein Schwarzgurt?oben

Eine Frage, die sich mit einer einzigen Antwort nicht zufrieden gibt. Es hängt hierbei sehr viel von dem jeweiligen Stil ab, in dem jemand ein Schwarzgurt werden will: bei dem einen muß man z.B. ein Vollkontakt -kämpfer sein, bei einem anderen muß man alle Techniken des Stils beherrschen, ein weiterer verlangt absolute Selbstkontrolle und Beherrschung der Emotionen, so das man erst 50 mal geschlagen werden muß, bevor man zurückschlägt, und beim nächsten ist es eine Verbindung von allem.

Man sieht deutlich die vielen verschiedenen Möglichkeiten, ein Schwarzgurt zu sein. Hier kommen die Beziehungen und Unterschiede zwischen den Stilen ins Spiel, die durch das Können des Schwarzgurtes deutlich werden. Ein Schwarzgurt hat bestimmte Charakterzüge, Qualitäten und Fähigkeiten, die das Niveau und die Stärken eines Stils reflektieren soll.
 
 
 
 
 
 

Braucht man unbedingt eine gute Kondition um weiterzukommen?
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Wer an Sport denkt, assoziiert damit als erstes körperliche Anstrengung, Schweißausbrüche, Erschöpfung und heftige Atmung, verbunden mit einem hohem Puls. Natürlich gibt es auch Sportarten, die andere Merkmale aufweisen. So wird z.B. auch Schach oder das Angeln von manchen Leuten als Sport bezeichnet. Das Wort "Sport" kommt aus dem Lateinischen: "se deportare" = sich belustigen, ergötzen!

Bei den Kampfkunststilen muß man unterscheiden zwischen den Schulen, die reine Selbstverteidigung lehren und solchen, die Kampfkunst in allen Bereichen lehren. Diejenigen Schulen, die mehr auf der Selbstverteidigung aufbauen und die körperliche Fitness für nicht so wichtig halten, da sie ihren Kampfstil evtl. für unfehlbar halten, sollten sich vielleicht mal fragen, was passiert, wenn ein Angreifer genauso gut ist wie man selbst und eine bessere Ausdauer hat; oder man wird von mehreren Personen bedroht dann ist eine gute Kondition von Vorteil.

Das soll jetzt aber nicht heißen, daß Kondition die Voraussetzung ist, um eine Kampfkunst zu erlernen. Wer ernsthaft daran interessiert ist, seine Kampfkunst länger zu studieren, der wird das entsprechende Training mitmachen und dort alle erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten erlernen und, falls erforderlich, auch die notwendige Kondition aufbauen. Wer sich seiner Trainingsmotivation bewußt ist und von dem Stil, den er erlernt, überzeugt ist, der wird um seine Möglichkeiten wissen und sich entsprechend weiterbilden; oder er wird früher oder später mit seinem Stil nicht mehr zufrieden sein und sich nach neuem umsehen.
 
 
 
 
 
 

Wann und wie wird man Si-fu (Shi-fu) bzw. Si-gung?oben

Der Titel "Si-fu" (Shi-fu(chin.)= Lehrer-Vater) wird an Meistergardträger verliehen, die eine eigene Kung Fu Familie (Schule) gegeründet und eigene Meisterschüler ausgebildet haben.

Der "Si-fu" ist der Lehrer einer Schule und wird von seinen Schülern auch so genannt. Er hat Assistenztrainer, die, wenn sie Schwarzgurtträger sind, "Si-hing" (mandarin: Shi-xiong = Lehrer -Bruder) genannt werden. Der Lehrer des Sifus wird von dessen Schülern als "Si-gung" und der Gründer des Stils als Si-choo"(Si-jo) bezeichnet. Soweit so gut.
 
 
 
 
 
 

Was heißt "Si-fu"?oben

Si-fu (auch Shi-fu) ist die Bezeichnung für einen Lehrer bzw. Meister des Quan-fa (Ch´uan-fa, Gong-fu, Kung-fu = Namen für Kampfkünste). Der Begriff setzt sich zusammen aus Shi (= Lehrer) und Fu (= Vater). Übersetzt würde man also Lehrer -Vater sagen. Aber weshalb der Begriff Vater? Damals waren die einzelnen Kampfkünste Chinas geheime Familienstile und wurden immer nur vom Vater zum Sohn weitergegeben. So wurde der Vater für den Schützling der Familie auch zum Lehrer. Als später die Kampfkünste öffentlich unterrichtet wurden, war der Begriff des Lehrers vorrangig vor dem Begriff Vater. Da die Stile aber weiterhin die Namen der Familien trugen, galt der Lehrer eben auch als der Vater seines Stils und wurde weiterhin Si-fu (Shi-fu) genannt.
 
 
 
 
 
 

Verändert sich die persönliche Kampfkunst mit zunehmendem Alter?
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Wer selbst noch nicht die Erfahrung gemacht hat, die Veränderungen des Älterwerdens an sich zu spüren, der sieht doch immerhin einen Unterschied zwischen den Bewegungsstrukturen älterer Menschen und denen jüngerer Menschen. Während die Jüngeren noch ohne Hemmungen durch das Leben springen und auf gesundheitliche Einschränkungen fast keine Rücksicht nehmen müssen, bewegen sich die Älteren etwas bedächtiger und ruhiger. Die Ansprüche und Bedürfnisse ändern sich mit der Zeit, man greift teilweise zu anderen Möglichkeiten als früher, um ein Ziel zu erreichen. So ergeht es auch der Entwicklung der persönlichen Kampfkunst. Es gibt zwar auch einige Kampfkünstler, die selbst in hohem Alter noch Sprünge und akrobatische Übungen machen, die sich bewundernswert leicht bewegen und meist auch gelenkiger und beweglicher sind als so mancher Jüngling; das sind aber eher seltene Fälle. Statt hoher Tritte und spektakulären, einschüchternden Kraftaktionen benutzen sie lieber kleine aber wirkungsvolle Techniken und Tricks, um ihre Gegner aus dem Konzept zu bringen und sie dann gezielt außer Gefecht zu setzen. Sie gehen weiser vor und arbeiten eher wirtschaftlich, teilen ihre Kraft besser ein. Je älter man wird, desto mehr Erfahrungen macht man mit der Kampfkunst. Man lernt viel über sich selbst und auch über andere, nutzt seine Erfahrungen und Erkenntnisse aus, um sich seiner Haut zu wehren und bringt einen ganz eigenen Stil hervor. Wer mit jungen Jahren neben dem eigentlichen Kampfsport noch einen Kampfkunststil wie z.B. Tai Chi ausübt, der hat damit im Alter noch etwas, das sich nicht grundlegend verändert und stets wirkungsvoll bleibt, da diese Kampfkunst auf natürlichen, körperfreundlichen Bewegungen basiert und außerdem die vitale Lebensenergie in Gang hält.
 
 
 
 
 
 

In welchem Alter ist das Trainieren sinnvoll?oben

Für das Training einer Kampfkunst ist es eigentlich nie zu spät, es gibt für jeden etwas zu holen. Sinnvoll für eine Ausbildung in einer Kampfkunst mit der ganzen Bandbreite (mit Form, Waffen, Straßenkampf, Wettkampf u. s. w.) ist natürlich ein möglichst früher Start, da man in der Jugend (z.B. in der Schulzeit) noch die meiste Energie, die längste Ausdauer und oft auch die Zeit dafür hat. In China beispielsweise gehört man mit zwanzig Jahren in den Kampfkünsten schon zum alten Eisen. Ab dann kann man höchstens noch als Trainer aktiv sein, weil es heißt, daß dann der beste, aktivste Lebensabschnitt schon vorbei und man nun nicht mehr voll belastbar sei. In der westlichen Welt haben dagegen schon unzählige Kampfkünstler das Gegenteil bewiesen und selbst in fortgeschrittenem Alter noch Höchstleistungen erzielt; teilweise wurden sogar nationale und internationale Rekorde aufgestellt. Diese Leute haben dann in der Regel schon viele Jahre Training hinter sich, was wiederum darauf schließen läßt, daß sie schon in jungen Jahren mit dem Training begonnen haben; mit Ausnahme von solchen Talenten, die sich trotz späten Einstiegs schnell nach oben gearbeitet haben.
 
 
 
 
 
 

Wozu dient der Kampfschrei, der "Kiai"?oben

"Kiai" bedeutet übersetzt soviel wie "Versammlung der Energie". Bezeichnet wird damit ein lauter Kampfschrei, mit dem der Übende seine gesamte geistige und körperliche Energie in einer Handlung konzentriert. Er bezeichnet die Manifestation des Ki (à Qi, à Chi(vitale Energie, Lebenskraft)) in der Technik. Der Kiai wird in der entscheidenden Phase des Kampfes verwendet und sollte im Ernstfall von einer tödlichen Technik begleitet sein. Der Kampfschrei hat also zum einen den Aspekt, während der Ausübung einer Technik durch Einsatz dieser extremen Ausatmung die Spannung im Körper zu erhöhen und so mehr Energie in die Technik zu setzen, zum anderen kann der Kampfschrei selbst als Waffe eingesetzt werden. Es gibt Kampfkünste (wie z.B. das Kiaijutsu), in denen die Experten einen Gegner durch einen Kiai lähmen oder gar verletzen können.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Woher kommt der "Kiai"?oben

Um Mißverständnissen vorzubeugen soll vorweg erwähnt werden, daß diese Frage in zwei Richtungen geht. Zum einen die Frage nach der Herkunft des Kiai, zum anderen die Frage, wo der Kiai im Körper des Übenden entsteht. Zur nationalen Frage: "Kiai" ist japanisch (dort auch Yagui) und bedeutet übersetzt - wie bereits erwähnt - "Versammlung der Energie". Das Wort "Kiai" ist zusammengesetzt aus "Ki"(Energie) und "Ai"(Harmonie) und verkörpert das Wirken der Natur im aktiven Handeln. Der Gegensatz zum "Kiai" ist "Aiki", es ist passiv und wirkt im Nichttun. Kiai und Aiki sind dementsprechend eng miteinander verwandt und bezeichnen dasselbe Prinzip. "Kiai" beschreibt das aktive Prinzip des Universums, also das in Aktivität umgesetzte "Aiki".
 
 
 
 
 
 

Wo im Körper entsteht der "Kiai"?oben

Die Technik des Kiai ist nicht einfach nur ein Schrei, sondern setzt sich aus den gesamten physiologischen und psychologischen Komponenten der entsprechenden Weglehre zusammen. Der erste technische Grundsatz ist, das der Kiai nicht aus der Kehle kommt, sondern aus dem Dan-tian (chin.) oder auch Dan-tíen. à Es bezeichnet die energetischen Zentren des Menschen, von denen es im Körper drei (beim "Chi Gung" sogar vier) gibt. In diesem Fall ist das Xia-Dan-tian von Bedeutung, es befindet sich zwei bis drei Fingerbreit unter dem Bauchnabel und ist in unserer Medizin als Sonnengeflecht bekannt. Der Kiai bedarf der rechten Atmung, der rechten Geisteshaltung und des kontrollierten Ki-Flusses (Energiefluß). Der Schrei darf nicht willentlich verändert werden (etwa um ihn zu verschönern), er muß natürlich sein und dem persönlichen Erleben jedes einzelnen entsprechen.
 
 
 
 
 
 

Begünstigt die Beschäftigung mit Kampfsport aggressives Verhalten?
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Ein großer Teil der Anfänger hat den ersten Schritt in eine Kampfsportschule sicherlich gemacht, um zu lernen, sich selbst verteidigen zu können und sich für den "Ernstfall" zu wappnen. Leider werden sie oft geleitet von falschen Vorstellungen über das Erlernen "unfehlbarer Techniken im Schnellverfahren". Sie erhoffen sich, mit möglichst wenig Aufwand das Ziel zu erreichen, in Auseinandersetzungen überlegen bzw. "unbesiegbar" zu sein. Aber wer seine Verteidigungsfähigkeit wirklich steigern möchte, wird sich vor längerfristigem, ernsthaftem Training nicht drücken können. Mit der Zeit lernt der Übende sich selbst und seine Techniken besser kennen und weiß um ihre Wirkung. Sowohl im Training als auch auf Turnieren wird von ihm ein hohes Maß an Disziplin abverlangt so daß er lernt, seine jüngeren Mitschüler und Wettkampfgegner mit Respekt und sportlicher Fairness zu behandeln, sich selbst zu beherrschen und seine Techniken zu kontrollieren. Wer das gelernt hat, ist nicht nur aus juristischen Erwägungen bei der Anwendung seiner Fertigkeiten gegenüber Laien vorsichtig - er ist fähig, seine Aggressionen zu zähmen und reagiert auf Bedrohung und Beleidigungen mit Kontrolle und Selbstbeherschung.
 
 
 
 
 
 

Was darf man vom Gesetz her auf der Straße anwenden?oben

In der Aufschlüsselung des Gesetzestextes §32 des Strafgesetzbuches "Notwehr" steht es sehr deutlich:

Die Elemente (Voraussetzungen) einer Straftat:

-1. Notwehrlage

-2. Notwehrhandlung

-3. Verteidigungswille

zu -1. Notwehrlage: wie entsteht eine Notwehrlage?

Angriff = Jede von Menschen drohende Verletzung rechtlich geschützter Interessen (z.B. Leben, Eigentum etc.)

Gegenwärtig = Angriff steht unmittelbar bevor, findet gerade statt, dauert an.

Rechtswidrig = Der Täter hat offensichtlich kein Recht für sein Handeln (z. B. Selbst-Verteidigung)

zu -2. Notwehrhandlung: Was ist eine Notwehrhandlung?

Erforderlich = Erforderlich ist nur die Verteidigungsart, die im konkreten Fall nötig ist, um den Angriff endgültig zu brechen und dabei den geringsten Schaden anrichtet.

Der in Notwehr Handelnde ist zur Auswahl desjenigen Abwehrmittels befugt, das ihm die Gewißheit einer sofortigen und endgültigen Beseitigung der Gefahr gewährt.

Merke: Die Verteidigung muß in einem angemessenem Verhältnis zum Angriff sein.

zu -3. Verteidigungswille: Was ist der Verteidigungswille?

Grundsätzlicher Gedanke: "Ich will verteidigen."

"Ich will einem anderen helfen."

Vorsicht: bei Absichtsprovokation liegt kein Verteidigungswille, sondern verdeckter Angriffswille vor. Somit wäre die Handlung rechtswidrig.

Für Kampfsportler gilt ein strengerer Maßstab bezüglich der Erforderlichkeit, da sie über technische Kenntnisse und Erfahrungen mit Kampfsituationen verfügen. Im schlimmsten Fall kann man für Körperverletzung nach § 223 StGB

angezeigt werden, obwohl man sich ursprünglich nur verteidigen wollte. Leider gibt es solche Fälle, darum sollte man sich als Kampfsportler besser seiner Disziplin bewußt sein und in Streßsituationen Ruhe bewahren und sich nicht provozieren lassen.
 
 
 
 
 
 

Warum gibt es Regeln bei solchen Wettkämpfen? Wird dadurch nicht der freie, lebendige Kampf behindert?oben

Hierbei muß man natürlich unterscheiden zwischen Leichtkontakt -Wettkämpfen (bzw. Semi -Kontakt), die in den meisten Kampfsportschulen üblich sind, und Vollkontakt -Wettkämpfen. Wer schon mal an einem Turnier teilgenommen hat oder als Zuschauer sich ein solches angesehen hat, der wird festgestellt haben, daß jeder Kampf auf strengen Regeln basiert und unter Aufsicht von Schiedsrichtern stattfindet. Wer sich nun fragt, ob diese Handhabe noch irgend etwas mit Kampfkunst zu tun hat, der hat auf der einen Seite recht: es ist kein Kampf mehr, der zur Verteidigung der Gesundheit oder gar des Lebens dient. Deshalb spricht man ja auch von Kampf -sport. Eben diese Regeln und Sicherheitsmaßnahmen haben zur Entwicklung und Erhaltung dieses Sportes beigetragen. Man wollte die alten Traditionen und wertvollen Trainingsaspekte der Kampfkünste erhalten und weitertragen, dabei aber den Partner schonen und ihn vor Verletzungen schützen. Deshalb wurden derlei Regeln entwickelt. Die Herausforderung bei Semi-Kontakt -Kämpfen ist es jetzt, seine Überlegenheit trotz dieser Regeln zu beweisen und den Gegner mit sauberen kontrollierten Techniken zu treffen, so daß diese Treffer von den Schiedsrichtern als Punkt für denjenigen Angreifer gewertet werden.

Beim Vollkontakt ist die Freiheit des Kampfes schon besser umsetzbar, da hier die Schläge und Tritte treffen dürfen und eine ganz andere Wirkung auf den Gegner haben - sowohl körperlich als auch geistig. Die körperliche Erschöpfung ist nach einem Treffer des Gegners größer und man wird schneller mit Emotionen belastet (man wird

wütend oder aggressiv und dadurch unkonzentrierter u. s. w.) Doch auch hier gibt es noch Regeln. Und es gibt Schiedsrichter, die Punkte verteilen und die Kämpfer davon abhalten, sich ernsthaft zu verletzen.

Wer aber den totalen Freikampf erleben möchte, der sollte sich mal nach sogenannten "Ultimate -fights"(oder z.B. Cage -fights) umhören, denn diese werden auch "Kämpfe ohne Regeln" genannt. Hierbei geht es wirklich nur darum, den Gegner mit allen erdenklichen Mitteln (außer Waffen) kampfunfähig zu machen, also "kämpfen bis zum bitteren Ende". Von Sport ist da dann natürlich nicht mehr viel die Rede, denn es sind schon Menschen dabei ums Leben gekommen. Die Kämpfer müssen vor Antritt des Kampfes eine Bescheinigung unterschreiben, daß sie sich der Gefahren bewußt sind und keine Schadensersatzansprüche stellen, sollte ihnen etwas Ernsthaftes zustoßen. Sie kämpfen auf eigene Verantwortung. Diese Art kommt dem "freien" Kampf aber am nächsten.
 
 
 
 
 
 

Was passiert mit Schülern, die offensichtlich aus gewalttätigen Absichten am Training teilnehmen?
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Wer mal in einem Kampfsportmagazin blättert, trifft hin und wieder auf Artikel über besondere Meister einer Kampfkunst. In Portraits wird dann ihr Leben und ihr Werdegang bzw. ihre Karriere beschrieben. In vielen Fällen taucht darin dann die Bemerkung auf, daß eben dieser Meister trotz seines "einzigartigen, gefährlichen Könnens"

einer der friedlichsten und angenehmsten Persönlichkeiten ist, die man heutzutage treffen kann. In der Tat ist es auffällig, daß man mit Kampfkünstlern, die sich ernsthaft und intensiv mit ihrer Kunst auseinandersetzen, in der Regel prima auskommt. Die Kampfkunst hat sie im Laufe der Jahre geprägt und sie zu ausgeglichenen und selbstsicheren Menschen gemacht. Diese Eigenschaft strahlen sie auch im Unterricht aus und überträgt sich so auch auf die Schüler. Wenn nun einer kommt, der die Kampfkunst aus selbstsüchtigen Zwecken erlernen will, etwa um ein besserer Schläger zu illegalen Zwecken zu werden oder um sich gegen andere Mitschüler zu behaupten und sich somit selbst zu beweihräuchern, der wird sich in einer Schule, in der Disziplin und Selbstbeherrschung oberstes Gebot sind, nicht lange wohl fühlen. Er wird früher oder später die Schule von selbst verlassen, weil seine Bedürfnisse hier nicht befriedigt werden oder er von dem Lehrer gebremst und immer wieder zur Ordnung aufgerufen wird. Sollte er sich des öfteren fehlverhalten, so wird er in der Regel schnell vom Training ausgeschlossen.

Andersherum kann es allerdings auch passieren, daß sich ein solcher Schüler gänzlich wandelt und sich dem Weg des Lehrers und der Kampfkunst anschließt und selbst zu einem vernünftigen, aufmerksamen und angenehmen Menschen wird. In diesem Fall hat der Lehrer seine Berufung erfüllt und eine bemerkenswerte Tat vollbracht: er hat dem Menschen einen Weg gezeigt, sein Leben zu gestalten und es verantwortungsbewußt und lebendig zu führen.
 
 
 
 
 
 

Was bedeutet es, wenn man davon spricht, die Prinzipien des Kung Fu auf das tägliche Leben zu übertragen?oben

Diese Frage kann man nicht generell beantworten, den für jeden bedeutet Kung Fu etwas anderes und jeder führt ein ganz anderes, eigenes Leben. So ist natürlich auch der Gebrauch von im Training erlernten Bewegungsmustern und geistigen Haltungen für jeden anders anwendbar. Sei es der Krankenpfleger, der durch sein Training eine Methode gefunden hat, Patienten besser und leichter heben zu können; oder sei es der Anwalt, der durch körperliches Training des Kung Fu gelernt hat, sich besser auf eine heikle Situation zu konzentrieren und sich so eher offensiv oder eher defensiv zu verhalten. So gibt es eine Menge Situationen im Kung Fu - Training, die einen Menschen an eine Situation in seinem Leben erinnern und ihm helfen, diese besser zu verstehen und darauf einzugehen.

Man könnte über dieses Thema endlos philosophieren und seine Zeit mit der Suche nach solchen Verbindungen und Zusammenhängen verbringen. Das ist hier aber nicht die Aufgabe.

Zitat: "Die Kampfkunst hat nichts gemein mit der groben, körperlichen Kraft, die nur dazu da ist, um einen Gegner zu besiegen, und noch weniger mit irgendeiner tödlichen Waffe, die Leben vernichtet. Die Kampfkunst ist dazu bestimmt, den harten Kampf zu vermeiden und die allgemeine Lebenseinstellung zu regulieren, indem sie allem in der Natur erlaubt zu wachsen und sich zu entwickeln. Deshalb dürfen die Übungen kein Selbstzweck zur Vernichtung des Gegners sein; sie müssen vielmehr in uns das Gefühl der Achtung gegenüber der Umwelt und uns selbst herausbilden." Morihei Ueshiba (1883-1969) Gründer des Aikido
 
 
 
 
 
 

Wie verhindert man beim Training mit Kindern, diese auf einen falschen Weg zu bringen?oben

Wer mal an einem Pausenhof einer Schule oder eines Kindergartens vorbeigegangen ist, dem wird die Toblust der Kinder nicht entgangen sein. Dabei kann es auch schon mal vorkommen, daß sich dabei zwei oder mehrere dieser Kinder wegen irgendeiner Streitigkeit in die Haare gekriegt haben oder auch nur so mal aus Spaß miteinander rangeln und mehr oder weniger spielerisch boxen. Was aber, wenn eins dieser Kinder Mitglied einer Kampfsportschule ist und sich nun mit einem anderen anlegt? Wird es durch sein Können nicht zur Gefahr für andere?

Wie bereits beschrieben lernt ein neuer Schüler zunächst erst die Basis eines Stils und einzelne Techniken kennen. Dann kommt die Phase, in der er diese Techniken in der Anwendung am Partner kennenlernt. Da hat er dann die Gelegenheit, auf speziell dafür vorgesehenen Schutzpolstern seine Techniken anzubringen, ohne jemanden zu verletzen. Allgemein wird im Training besonders auf Sicherheit geachtet und den Schülern werden Fairness und Kameradschaft ans Herz gelegt und beigebracht; dennoch kann es mal dazu kommen, daß ein Schüler aus Versehen einen anderen mit einer Technik trifft und ihm damit weh tut. Dieser Moment ist zwar nicht wünschenswert, hat aber sowohl für den Treffenden als auch für den Getroffenen und sogar für die anderen Mitschüler einen großen Lerneffekt: alle können ansatzweise die Wirkung eines solchen Treffers erkennen und lernen dadurch, ihre Kraft und die Techniken besser einzuschätzen. Der Respekt vor den eigenen Möglichkeiten wächst und gibt einem die Selbstsicherheit, sich nicht mehr so schnell zur Nutzung des Könnens hinreißen zu lassen. Die Disziplin und Selbstbeherrschung, die während des Trainings vermittelt werden, schult die Schüler auch für ihr Leben außerhalb der Kampfsportschule. Sollte jedoch bekannt werden, daß jemand seine Kunst und sein Können mißbraucht, wird dieser verwarnt bzw. vom Training ausgeschlossen. Auch wer sich im Unterricht gehen läßt, sich nicht an die Regeln hält und die Mitschüler bewußt mit übermäßig starken Kontakt trifft, wird nicht lange am Training teilnehmen dürfen. Es liegt eine große Verantwortung auf dem unterrichtenden Lehrer. Er muß den Kindern eben dieses richtige Verhalten, den Respekt vor der Kunst und den Mitmenschen vermitteln. Er sucht den Unterrichtsstoff aus, von dem er glaubt, daß er für

die Kinder geeignet ist und ihrem Alter, ihrem Fortschritt bzw. ihrem Verständnis entspricht.
 
 
 
 
 
 

Fördert der Kampfsport die Gemeinschaft?oben

Wozu treibt man Sport? Es gibt vielerlei Motivationen für den Sport, z. B. Sport als Lebensstil, Sport als Ausgleich, Sport als Kampf, auch Kampf- und Machttrieb - Auswirkungen (z.B. in Wettkämpfen), Kampf im Spiel u. s. w.. Sport ist aus menschlichen Neigungen und Bedürfnissen entstanden, die als eigengesetzliche Grundformen beschrieben werden. "Spielen, üben, tanzen und kämpfen" gelten als Grundformen menschlichen Verhaltens. Aus vielen dazugehörigen Übungen sind im Laufe der Zeit sportliche Disziplinen geworden, es fanden Wettkämpfe statt, aus gemeinsamen Notwendigkeiten entstanden Gruppensportarten bzw. Mannschaftssport.

Genauso erging es auch der Kampfkunst. Aus der Notwendigkeit, sich verteidigen zu müssen, entwickelte sich im Laufe der Zeit eine eigene Disziplin, der Kampf wurde zum Sport. Er wurde regelmäßig trainiert, weiterentwickelt und immer mehr stilisiert. Natürlich gab es Ehrenkodexe wie "einer für alle - alle für einen", und große Schlachten wurden genauestens durchdacht und Strategien wurden entwickelt, um ein Heer erfolgreich durch eine Schlacht zu bringen durch "gemeinsames" Kämpfen. Dennoch bedeutet der Begriff "Selbst"-verteidigung ja eher den Schutz der eignen Person. Heutzutage geht ein Schüler in eine Kampfsportschule, um zu lernen, sich selbst zu verteidigen. Der Grundgedanke, mit einer Mannschaft gemeinsam ein Ziel zu erreichen, ist gar nicht vorhanden. So kann man also sagen, daß der Kampfsport eher ein Einzelleistungs - Sport ist. Nicht zu vergessen sind dabei aber die enormen Erfahrungen eines Schülers im gemeinsamen Training mit anderen. Durch die enorme Vorsicht und Konzentration, die beim Training geboten ist, wird eine große Achtung und Aufmerksamkeit für andere entwickelt, man geht gemeinsam an die persönlichen Grenzen. Dann gibt es natürlich auch noch Teamkämpfe, bei dem sich die Mitglieder voll auf einander verlassen, sich gegenseitig anspornen und gegebenenfalls auch mal Fehler zugestehen und verzeihen. Es liegt dabei auch ganz viel beim Lehrer, der versuchen kann, aus einer Gruppe wildfremder Menschen eine "Familie" zu machen.
 
 
 
 
 
 

Wie wichtig ist theoretisches Wissen um die Kampfkunst?oben

Je länger man sich mit einer Kampfkunst beschäftigt, desto mehr Fragen tauchen mit der Zeit auf. Jede Kampfkunst hat ihre eigene Geschichte, jeder Stil seine eigenen Hintergründe, jede Technik eine besondere Wirkung. Was das technische Training angeht, so beantworten sich viele Fragen während des Trainings selbst. Will man jedoch die Hintergründe um einen Kampfstil oder die Entstehung einer Technikfolge begreifen, so läßt sich ein Blick in einschlägige Bücher nicht immer vermeiden. Interessiert Studierende kommen fast gar nicht umhin, ihr Wissen durch das Erforschen uralter Traditionen und Bräuche zu erweitern, um Zusammenhänge und Unterschiede verschiedener Kampfkünste und Systeme zu erkennen. Einige Stile verlangen von ihren Schülern sogar ein bestimmtes Pensum an theoretischem Wissen, welches z.B. bei Prüfungen abgefragt wird, sofern es welche gibt. Sie wollen damit erreichen,

daß der Schüler sich ganzheitlich mit seiner Kunst befaßt, und nicht nur stumpfsinnig Techniken und Kämpfen lernt. Außerdem gibt es in manchen Kampfkünsten Gebiete, in denen zuerst theoretisches Wissen erforderlich ist, bevor man anfängt, dieses Gebiet praktisch zu erarbeiten, z.B. "Welche Nerven -Druckpunkte sind zu welcher Zeit besonders reizbar, in welcher Verbindung erhöht sich die Wirkung, und was für Auswirkungen kann das Bearbeiten solcher Punkte haben etc. Ein Kampfkünstler kann nicht nur gut kämpfen, er weiß auch viel über seine Kunst.
 
 
 
 
 
 

Welchen Vorteil hat die Beschäftigung mit Medizin und Anatomie des Menschen für einen Kampfsportler?oben

Wenn ich um den menschlichen Körper weiß und seine Stärken und seine Schwächen kenne, habe ich die Möglichkeit, wirtschaftlich zu arbeiten, d.h.; mit möglichst wenig Aufwand das größtmögliche Ziel erreichen.

Einige Kampfkünste benutzen das Sprichwort: Wer zerstören kann, muß auch heilen können! Das heißt also: wenn ich in der Lage bin, jemanden mit meiner Kampfkunst zu schädigen, muß ich auch in der Lage sein, anderen zu helfen, ggfs. auch mir selbst. Gerade als Lehrer oder Betreuer sollte man über ein grundlegendes medizinisches Wissen verfügen, um im Notfall dem Geschädigten helfen und ihn vor größeren Schäden bewahren zu können. Auch die regelmäßig im Training vorkommenden Übungen sollten bei intensiver Nutzung sorgfältig ausgewählt und auf therapeutische Gesichtspunkte hin untersucht werden.
 
 
 
 
 
 

Was versteht man unter doppeltem Brennpunkt?oben

Um solche Schläge effektiv ausführen zu können bedarf es einen langen Trainings, auch guter Kenntniss über seine persönlichen Fähigkeiten. "Doppelter Brennpunkt" bedeutet,daß in einem Schlag zwei Kraftübertragungen auf das Ziel stattfinden.
 
 
 
 
 
 

Wozu dient das Sandsacktraining?oben

Wer sich weder dem Vollkontakt - Kämpfen verschrieben hat noch in einer Kampfsportart trainiert, die von hartem Kontakt im Training Gebrauch macht, für den gelten meist strenge Regeln und verstärkte Konzentration, um Verletzungen der Trainingspartner zu vermeiden. Es wird oft ohne oder mit nur leichtem Kontakt geübt. Dabei bleibt natürlich die Erfahrung aus, was es heißt, wenn eine Technik - sei es ein Schlag oder Tritt- mal auf einen Widerstand trifft. Wo man sonst kurz vor dem Partner stoppt oder eine Technik in die Luft macht, da ist jetzt ein Ziel, welches getroffen werden soll. Schüler, für die der Aspekt der Selbstverteidigung wichtig ist, sollten sich ruhig auch mal an ein Sandsacktraining wagen, denn im Ernstfall fragt niemand danach, ob man noch nie richtig zugeschlagen hat. Da geht es dann darum, den Angreifer zu besiegen, gegebenenfalls auch mit Schlägen und Tritten. Wenn man sich dann nicht über seine körperlichen Möglichkeiten im klaren ist, kann es leicht zu eigenen Verletzungen oder zu wirkungslosen Techniken kommen. Das Training am Sandsack baut zum einen die Schlagkraft auf, kräftigt aber auch die stark beanspruchten Gelenke und Muskeln und lehrt den Übenden richtige Körperhaltung und Entwicklung des richtigen Körpereinsatzes bei Schlag- und Trittkombinationen. Abgesehen vom körperlichen Training hat es auch psychologisch eine enorme Wirkung: man braucht hierbei nicht auf andere zu achten und kann sich je nach Möglichkeit und Bedarf nach Herzenslust austoben. Durch den Verbrauch überschüssiger Energie werden Aggressionen abgebaut, und man baut dabei noch Kondition auf.
 
 
 
 
 
 

Wozu dienen Bruchtests?oben

Grundsätzlich geht es darum, seine Willenskraft unter Beweis zu stellen bzw. seine Schmerzunempfindlichkeit zu zeigen. In manchen Kampfsportarten wird sehr viel Wert auf solche Übungen gelegt, weil es heißt, daß dadurch der Wille, in diesem Fall die Macht des Geistes über das Material, geschult wird. In der Tat ist es wirklich eine Sache genauer Einschätzung eigener Möglichkeiten, Könner auf diesem Gebiet sprechen von Gedankenübertragung. Man stellt sich genau vor, wie das Material auf die Einwirkung reagiert, man befiehlt ihm sozusagen, der Kraft zu weichen. Dazu gehört aber auch noch der richtige Einsatz des Körpers. Andere Kampfkünste praktizieren solche Übungen auf andere Art und Weise: da werden z.B. Speere mit der Spitze an die Kehle gesetzt und gegen einen Widerstand gebogen, so daß sich der Speer normalerweise durch diesen enormen Druck in den Hals bohren müßte. Das tut er aber nicht, denn durch eine spezielle Art der Atmung, Konzentration der Kraft und ungebrochenen Willen ist es den Kämpfern (in diesem Fall in der Regel den Meistern eines Stils) möglich, den Körper resistent zu machen gegen diese enorme physikalische Kraft.
 
 
 
 
 
 

Was ist der Unterschied zwischen Säbel und Schwert?oben

Der Unterschied zwischen Säbel und Schwert ist vielen Nicht -Kampfsportlern - leider aber auch vielen Kampfsportlern - nicht so recht bewußt. Der Begriff "Schwert" ist allgemein bekannter als der Begriff "Säbel" und wird deshalb oft für alle möglichen Schneidewaffen dieser Größenkategorie verwendet.

Das chinesische Wort "Dao" ist u. a. der Überbegriff für alle Schneidewerkzeuge: Säbel, Schwert, Messer u. s. w. Meist ist damit der Säbel gemeint, die Waffe der Krieger und Soldaten. Der Säbel (chin.: Dan-dao, auch Darn-do) hat im Gegensatz zum Schwert eine breite, leicht gebogene Klinge mit einer Schneide auf der Außenseite und ist eine Hieb- und Schnittwaffe. Durch diese gebogene Klinge erlaubt der Säbel direkte und sehr offensive Angriffe, seine Massivität ermöglicht Blöcke und Abwehrtechniken.

Das Schwert (chin.: Dan-jian, auch Darn-gim, Jian oder Chien) ist ein gerades, zweischneidiges Schwert und gehört zu den interessantesten, effektivsten, aber auch schwierigsten Waffen des traditionellen Kung Fu. Sie gilt als Königin der chin. Waffen. Die Schwerter sind auf den Verwender zurechtgeschnitten und sollen vom Bauchnabel bis zum Boden reichen. Die Klinge wird in drei Abschnitte eingeteilt: die Spitze ist äußerst dünn und rasiermesserscharf und kann deshalb leicht gebrochen werden. Sie wird nur zum Angriff (Stiche, Schnitte) verwendet. Der Mittelteil ist etwas dicker und wird für ableitende Bewegungen benutzt. Der untere Teil wird gebraucht, wenn größere Kraft nötig ist.
 
 
 
 
 
 
 
 

Wozu dienen Spiegel im Trainingsraum? Fördern sie nicht die Eitelkeit?oben

Durch die Möglichkeit, sich selbst beim Training beobachten zu können, prägen sich die ausgeführten Bewegungsabläufe auch stark visuell ein: "Wie sieht es beim Lehrer aus, wie sieht es bei mir aus?" Haltungsfehler können selbst korrigiert werden, Bewegungsabläufe können auf Genauigkeit untersucht werden und man kann leicht lernen, richtungsorientiert und gegebenenfalls spiegelverkehrt oder seitengleich zu arbeiten.
 
 
 
 
 
 

Fragen zum Kung Fu
 
 

Was ist Kung Fu?oben

"Kung Fu" ist der westliche Begriff für das chinesische Gong-fu (in China bekannt als "Wushu") und heißt übersetzt "harte Arbeit". Es ist eine moderne Bezeichnung für die chinesischen Kampfkünste. Im alten China konnte sich der Begriff Kung Fu auch auf solche Künste wie Malerei, Poesie oder Kochen beziehen, aber auch heute hat er etwas von der ursprünglichen Bedeutung beibehalten, denn um zur Perfektion, der Kunst des Kung Fu, zu gelangen, muß man hart arbeiten, viel studieren und ständig praktizieren. "Kung Fu" beinhaltet, wie schon erwähnt, nicht nur Kampfkunst und Körperertüchtigung, sondern neben anderen Künsten auch philosophische und medizinische Aspekte und wurde zur nationalen Tradition in China. Wenn man aber heute hier fragt, was Kung Fu ist, so erfährt man, daß es sich um eine chinesische Kampfkunst handelt, die sich in verschiedene Stilrichtungen unterteilt, ob traditionelle oder moderne, harte oder weiche etc. Heute sind über 400 Stile bekannt.
 
 
 
 
 
 

Woher kommt Kung Fu?oben

Die Entstehungsgeschichte der Kampfkünste ist leider so verworren und sagenumwoben, daß keine definitiv richtige Aussage dazu gemacht werden kann. Die am weitesten verbreitete Geschichte erzählt, daß im Jahre 480 der 28. Patriarch des indischen Zen-Buddhismus, Bodhidharma (Tamo), nach China in das Shaolin - Kloster in der Provinz Honan zog. Er lehrte die Shaolin - Mönche körperliche Übungen, um damit schneller Ermüdung während langer Meditation vorzubeugen und sich körperlich fit zu halten. Wegen der Notwendigkeit, sich verteidigen zu müssen, wurden auch Schläge, Abwehren, Stöße und Tritte sowie uralte Stocktechniken praktiziert, d.h. die Übungen dienten zur Verteidigung und zur Gesunderhaltung.

Nach Bodhidarmas Tod erweiterten nachfolgende Mönche diese Übungen und brachten noch Bewegungen aus der Tierwelt mit ein, die sie aus Beobachtungen in der Natur entwickelten. Nachdem das Kloster zerstört wurde lehrten die überlebenden Mönche ihren Stil weiter, und bald fanden diese Kampfkünste ihren Weg in andere Länder, wo sie sich wiederum weiterentwickelten und immer bekannter wurden.
 
 
 
 
 
 

Was bedeutet "äußerliches" Kung Fu?oben

Die erste Definition der Unterschiede zwischen "äüßeren" und "inneren" Stilen hat der Meister Zhang Sanfeng (12. Jhd.) gegeben. Er schrieb, die Grundlage des Waijia (der "äußeren" Richtung) sei die Kräftigung der Muskeln und Knochen, die Regulation der Atmung und in der Taktik die Vereinigung von Sanftheit und Härte, der Übergang vom Zurückweichen zum Angriff. Hier zählen die Bewegungen des Körpers- der Schultern, der Hüften, der Arme und Beine und des Kopfes. Bei "äußeren" Schule hängt z.B. die Durchschlagskraft eines Schlages von der Muskelkraft des Armes, seiner Schnelligkeit und teilweise auch vom Schwung der Hüften ab.

Was bedeutet "innerliches" Kung Fu?oben

Beim Neijia (der "inneren" Richtung) spielt das Training des Körpers im Vergleich zum Training der Steuerung der eigenen Lebensenergie (Qi-gong) eine untergeordnete Rolle. Die Taktik beruht auf dem daoistischen Prinzip des Nicht-Tuns und der Ausnutzung der Fehler des Gegners. In allen Schulen der "inneren" Richtung dominiert der geistige Ursprung über dem körperlichen. Reine Kraftübungen, die nicht unmittelbar zur Ausfeilung der Techniken gehörten, galten als überflüssig und nutzlos. Die "inneren" Stile nehmen von dem sogenannten daoistischen Yoga ihren Ausgang. Die Meditation, die Atemübungen und der riesige Komplex technischer Verfahren üben auf den Blutkreislauf und das Nervensystem einen günstigen Einfluß aus und fördern die Gesunderhaltung aller lebenswichtigen Organe. Es gilt das Gesetz der Ganzheit - die Übertragung der Kraft und der Energie von den Füßen durch den ganzen Körper bis in die Fingerspitzen (beim Schlag mit der Hand). Die drei großen Schulen der "inneren" Stile sind die Schulen des Taijiquan, des Baguaquan und des Xingyiquan.
 
 
 
 
 
 

Was ist der Unterschied zwischen Kung Fu und z.B. Karate oder Kick - Boxen etc.?oben

Wie der Entstehungsgeschichte zu entnehmen ist, gelangten die Kampfkünste der Shaolin nach der Zerstörung des Klosters auch in andere Länder, wo sie sich weiterentwickelten. Hier ist bereits der erste Unterschied zu erkennen: das Herkunftsland. Im Fall des "Karate" (übersetzt: leere Hand) fand die Entwicklung in Okinawa, Japan statt. Ein weiterer Unterschied findet sich in der Bewegungsstruktur. Während das Kung Fu insgesamt eher flüssige Techniken und verschiedenste Körperhaltungen leert, arbeiten die Karate-Ka (Karate-Übende) eher statisch und mit festen Brennpunkten. Den Unterschied kann man deutlich in den Formen (Kata) sehen. Einige Stile arbeiten eher mit tiefem Schwerpunkt, während andere hohe Stände und gesprungene Techniken bevorzugen; wieder andere vertiefen sich hauptsächlich in den sportlichen Zweikampf (zB. Kickboxen, während der nächste sich auf das perfekte Vorführen von Formen spezialisiert.
 
 
 
 
 
 

Was hat es mit den Tieren auf sich, von denen man in einigen Kung Fu -Stilen spricht?oben

Wie der Geschichte des Kung Fu zu entnehmen ist, brachte der indische, buddhistische Mönch Bodhidarma den Shaolin - Mönchen die ersten Kampftechniken bei. Nach seinem Tod wurden diese von den nachfolgenden Mönchen erweitert, wobei gleichermaßen Wert auf Gesten für den medetativen Tanz wie auch auf Techniken der Selbstverteidigung gelegt wurde. Als die Mönche in der Tierwelt neue Bewegungen aus genauen Beobachtungen des Kampfverhaltens entdeckten, teilten sich die Bewegungen in fünf grundlegende Gruppen: Leopard, Kranich, Tiger, Schlange und Drachen. Jeder Stil studierte die Bewegungen seines tierischen Namensvetters und benutzte sie in seinem System. Das Prinzip, "von der Natur lernen", trifft in diesem Fall absolut zu. Heute gibt es viele Stile, die auf solcherlei Beobachtungen aufbauen und sich diesen Hinweis der Natur zunutze machen.
 
 
 
 
 
 

Kung Fu ist unter anderem auch aus Tierbeobachtungen entstanden. Woher aber kommt der Drachenstil?oben

So wie damals sind auch heute noch zahlreiche Fabelwesen im chinesischen Kulturkreis zuhause. Dazu gehören z.B. Feng (Phönix), Peng (der größte Vogel der Welt), Mo (ein gelb-schwarzes wildes Tier, das nachts den Traum bzw. den Alptraum frißt) und viele andere noch mehr. Dazu gehörte natürlich auch Long, der Drache; eine Gestalt, die in der chinesischen Geschichte eine nicht wegzudenkende Rolle spielt. So hat z.B. der blaue Drache Qing-long zusammen mit drei anderen Fabeltieren das Ehrenamt eines Wächters für den Kaiserpalast. Der Gründer einer neuen kaiserlichen Dynastie berichtete jeweils, daß seine Mutter ihn nicht von einem Sterblichen empfangen hätte sondern von einem Drachen, oder zumindest im Traum den zum Himmel aufsteigenden Drachen gesehen hätte. Nur dann galt er als rechtmäßiger Anwärter auf den Kaiserthron. Das Zeichen des Drachen galt als kaiserliches Wappenzeichen und dufte von anderen nicht gebraucht werden. Jeder Mißbrauch wurde mit dem Tod bestraft. Woher aber kommt der Drache und der Shaolin- Drachenstil "Long-quan"?

Sicher ist der Drache, wie andere Fabelwesen auch, nicht völlig frei erfunden. Es gibt Grund genug anzunehmen, daß sie oft auf Tiere zurückgehen, die man zwar selbst nie gesehen hatte, von deren Existenz jedoch Reisende aus fernen Ländern berichtet hatten. Die Eigenschaften dieser Tiere wurden dann durch die wissenschaftliche Lehrmeinung der damaligen Zeit festgelegt. Das Vorbild für den Drachen waren im fernen Osten mit größter Wahrscheinlichkeit Eidechsen, Gekkos und Krokodile, also Tiere, die im Süden des chinesischen Subkontinentes wirklich lebten. Daher

ist anzunehmen, das die Bewegungen des Drachenstils (Shaolin Long-quan) Nachahmungen der Bewegungen dieser Tiere sind oder ein effektives Gemisch daraus.
 
 
 
 
 
 

Wird in einer Kung Fu- Schule auch Buddhismus gelehrt?oben

Nicht maßgeblich. Es gibt Schulen, in denen z.B. traditionelles Shaolin Kung Fu unterrichtet und auch auf den religiösen Aspekt dieser Kampfkunst geachtet wird. Sie wollen dadurch das Leben und das Training der buddhistischen Mönche ganzheitlicher nachempfinden. Heutzutage ist es aber nicht zwangsläufig im Trainingsplan eingebunden, sich dieser Religion anzunehmen, wenn man eine Kampfkunst oder einen Kampfsport erlernen möchte. Wer dies möchte, kann sich natürlich privat um eine solche Ausbildung kümmern, und es hat mit Sicherheit einen hohen Wert, sich in diesem Thema auszukennen, weil man gewisse Prinzipien der Kampfkunst aus einer anderen Perspektive sehen lernt und sie ganz anders aufnimmt als andere, die sich nur mit dem äußerlichen, körperlichen Training beschäftigen. Schließlich entstand der Ursprung der Kampfkünste, das Kung Fu, in einem buddhistischen Kloster in China.
 
 
 

Woher kommt die Grußhaltung der Hände im Kung Fu? Was bedeutet sie?oben 







Was für uns das alltäglich gebräuchliche Händeschütteln ist, war im alten China ein Handzeichen: die linke Faust wurde mit der rechten offenen Hand bedeckt. Damit wollte man seinem Gegenüber seinen guten Willen und friedliche Absicht bekunden. Die Handhaltung änderte sich jedoch, als Soldaten, Krieger und Kampfkunstmeister ihre Waffen selbst zum Gruß nicht aus der Hand legten, die sie meist in der rechten Hand hielten. Dies bedeutete jedoch keine Beeinträchtigung der Bedeutung des Grußes, da diese Waffen nach chinesischer Denkweise untrennbar mit ihren Besitzern verbunden waren. Durch diesen Brauch kam es im Laufe der Zeit zu einem Rollentausch der Hände, wobei nun die rechte Faust von der linken Hand bedeckt wurde, selbst wenn keine Waffe gehalten wurde. Heute sagt man auch, die rechte Faust (bei den meisten Menschen die Schlaghand) wird von der offenen linken Hand(die vom Herzen kommt) bedeckt, was eben diese Bedeutung von Frieden und gutem Willen ausdrücken soll. Neben diesem Gruß existieren in einzelnen Stilen aber noch andere, die damals z.B. von Geheimbünden als Erkennungszeichen benutzt wurden. Sie glichen dem herkömmlichen Gruß sehr und fielen gar nicht weiter auf. Heute beginnt und endet jede traditionelle Kung Fu - Form mit einem Gruß, als Ausdruck von Respekt und Höflichkeit. Dieser Gruß sollte unbedingt beherrscht werden, den eine nachlässig ausgeführte Begrüßung bedeutet eher eine Beleidigung und kann sogar, im schlimmsten Fall, eine Herausforderung bedeuten, denn eine Faust vor der offenen Hand bedeutet in manchen Stilen "Kampf auf Leben und Tod".
 
 

Fragen zum Wun Hop Kuen Do - Kung Fu






Was bedeuten die chinesischen Schrifftzeichen des Wun Hop Kuen Do im einzelnen?oben 

Warum wird im WHKD der Kwoon beim Betreten in der selben Art wie der Lehrer begrüßt?oben

In fast allen Kampfkünsten ist es seit jeher Tradition, den Kwoon (jap.: Dojo = Ort, wo der Weg, also die Kampfkunst, geübt wird) beim Betreten zu begrüßen. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um einen Raum, in dem der Lehrer der Schule seine Kunst vermittelt. Der Kwoon hält einen traditionellen Standart von Einfachheit und Schönheit, ist nach Möglichkeit geräumig und stets makellos sauber. Viele Schulen haben in ihrem Kwoon (Dojo) die Gebrauchsgegenstände des täglichen Trainings (z.B. traditionelle Waffen, Schlagkissen (Airbags, Pratzen...), Übungsmaterial...) sowie Bilder von stilbezogenen Persönlichkeiten, z.B. den Gründer des Stils, den Lehrer der Schule selbst oder die Großmeister eines Systems. Doch gleich seiner Dekoration strahlt er immer eine Atmosphäre von Würde aus.

Die vordere Wand des Kwoon, gegenüber des Eingangs, ist in vielen traditionellen Schulen der Ort der Ehre. Dort hängt oft ein Bild des Gründers und ggfs. ein Bild des Lehrers. Diese Bilder sind es eigentlich, die man beim Betreten des Raumes begrüßt. Sie sind symbolisch für die Person des Lehrers, der in diesem Kwoon seiner Arbeit nachgeht. Mit dem Gruß bekundet man also den Respekt vor dem Lehrer (auch wenn dieser mal nicht persönlich vor Ort ist) und den Respekt vor dem Raum; dem Raum, in dem man in scheinbar endloser Arbeit seinen Geist und Körper in der Wegübung konzentriert. Deshalb ist beim Wun Hop Kuen Do die Art des Grußes die gleiche. Es gibt Stile, wo der Kwoon (das Dojo) in einer anderen Art begrüßt wird als der Lehrer, wie z.B. beim Shotokan -Karate, wo das Dojo mit einer leichten Verbeugung, der Lehrer aber mit einer tiefen Verbeugung aus einer Art meditativen Sitzhaltung und noch einer einfachen Verbeugung im Stehen begrüßt wird.
 
 
 
 
 
 

Ist WHKD ein Selbstverteidigungsstil?
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Ja, WHKD ist ein Selbstverteidiungsstil mit Basistechniken aus dem KAJUKENBO und dem CHUAN FA (Weg der Faust)
 
 
 
 
 
 

Wie werden die Selbstverteidiguungstechniken im Kampf umgesetzt?
oben

WHKD zeichnet sich durch Spontanität, Kreativität und Explosivität aus. Die erlernte Kampftechnik wird im freien Kampf reflexartig und instinktiv angewendet, und nicht nach Technik Nr.1 oder Nr.3 etc..
 
 
 
 
 
 

Gibt es noch andere Trainingsbereiche außer Selbstverteidigung??
oben

WHKD ist in 4 Grundbereiche eingeteilt:

1. Selbstverteidigung
2. Wettkampf (Semi- oder Vollkontakt)
3.Traditionelle Formen mit Hand oder Waffen (zB. Stock oder Säbel)
4. Die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit
 
 
 
 
 
 

Was unterscheidet WHKD von anderen Kampfstilen?
oben

Im WHKD wird der Schüler, nachdem er die Basis der Techniken erlernt hat, individuell entsprechend seiner Möglichkeiten und Fähigkeiten unterrichtet, um ein optinales Trainingsergebnis zu erreichen.
Daraus ergibt sich für den Schüler sein eigener persönlichet Stil. Der Weg ist wie es getan wird und nicht was getan wird.
Mit dieser Lernmethode sind im WHKD Meisterschüler in allen Bereichen wie Form, Kampf und Semi- Vollkontakt ausgebildet worden.
 
 
 
 
 

Gibt es noch mehr Fragen?

"Was für eine Frage...." werden sich jetzt einige denken. Die Fragen werden niemals aufhören, wenn man sich ernsthaft mit einem Thema beschäftigt, das so groß ist wie die Kampfkunst. Diese Frage soll zum Abschluß als Anregung dienen, eigene, unbeantwortete Fragen in Worte zu fassen und sie einer Person zu stellen, von der man glaubt, daß sie einem eine zufriedenstellende Antwort geben kann. Nachdem ich, der Verfasser, von überall her Fragen gesammelt und diese nach bestem Wissen beantwortet habe, stelle ich nun die Frage an alle Leser:

"Gibt es noch mehr Fragen?"

 




Quellenangaben

"BACKGROUND - Das Magazin der Kampfkünste"

Herausgeber und Redakteur: Markus Ruddies / Elsässer Straße 56 / 22049 Hamburg

"Das Kampfsport Lexikon - von Aikido bis Zen"

von Dr. Wolfgang Weinmann / Verlag Weinmann - Berlin

"KEMPO - Die Kunst des Kampfes" Ostasiatische Kampfsportarten

von A. Dolin / Sportverlag Berlin

"Ostasiatische Kampfkünste - Das Lexikon"

von Werner Lind / Sportverlag Berlin

Lehrbuch des Wun Hop Kuen Do - Kung Fu

nach Sigung Al Dacascos, überarbeitet von Sifu Jörn Tiedge (Deutscher Wun Hop Kuen Do - Kung Fu Verband e.V.)